Katzenhaltung

Wir leben jetzt seit 1986 mit Katzen und züchten seit 1997. In dieser Zeit haben wir unsere Einstellung zur Katzenhaltung immer wieder neu durchdacht und haben zu vielen Dingen heute eine andere Einstellung, als wir sie noch vor ein paar Jahren hatten. Wir haben viel gelernt und sind sicher, dass es noch viel zu lernen gibt. Zu einigen in der “Katzenszene” heiß diskutierten Themen, möchte ich mich gerne positionieren, ohne jedoch zu polarisieren, da ich nicht glaube absolute Wahrheiten und Erkenntnisse für mich gepachtet zu haben.

Freigang oder reine Wohnungshaltung 

Ein viel diskutiertes Thema unter Züchtern ist die Frage, ob man Katzen Freilauf gewähren darf bzw. ob man Jungtiere an Menschen abgeben kann, die dies beabsichtigen. So lange wir in einem Dorf im Bergischen Land gelebt habe, hatten unsere Kastraten selbstverständlich Freilauf, waren nie krank und wir hatten keine Unfälle und Verluste. Nachdem wir im Sommer 2004 nach Berlin gezogen sind, mussten wir einige traurige Erfahrungen machen. Obwohl wir in einer Einfamilienhaussiedlung am Stadtrand von Berlin lebten, sind zwei unserer Freigänger verschwunden. Selbstverständlich haben wir unseren anderen Katzen daraufhin keinen Freigang mehr gestattet. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben sie sich überwiegend mit der eingeschränkten Freiheit abgefunden. Nachdem wir nun in Berlin gebaut und unser eigenes Haus bezogen haben, haben wir einen Teil des Gartens katzensicher eingezäunt und einen Balkon für unsere Katzen gesichert. Ohne Frage ist ein gesicherter Freigang die optimale Lösung, aber leider ist das nicht überall möglich und ganz billig ist es natürlich auch nicht.

Die Frage, ob wir Kätzchen an jemanden abgeben würden, der diesen Freigang gestatten würde, muss ich mit nein beantworten. Selbstverständlich ist die Lebensqualität einer Katze mit Freigang erheblich besser als die eines Tieres, das ausschließlich im Haus lebt. Auf der anderen Seite muss man sich über die Gefahren des Freigangs im Klaren sein. Letztlich kann in Ausnahmefällen bei gründlicher Prüfung der Wohnlage, Gespräche mit den Nachbarn über deren Einstellung zu Katzen u.s.w. ausnahmsweise für Freigang entschieden werden. In Zweifelsfällen würde  ich mich nach meinen Erfahrungen aber jedenfalls gegen den Freigang entscheiden.

Züchterverhalten in Bezug auf die Abgabe erwachsener Katzen

Eine weitere interessante Frage, die insbesondere die Katzenzüchter in zwei extrem gegensätzliche Lager spaltet ist die Frage, ob man gegebenenfalls auch hin und wieder eine erwachsene Zuchtkatze aus seinem Bestand abgibt, oder ob alle Tiere auf Lebenszeit einen Platz in der Familie haben. Natürlich ist es grundsätzlich wünschenswert, dass ein kleines Kätzchen gleich nach seinem Auszug in ein Zuhause kommt, in dem es sich wohl fühlt und wo es den Rest seines Lebens verbringen kann. Aber dieser Idealzustand ist nicht immer zu erreichen.

Zunächst einmal gibt es verschiedene Arten von Züchtern. Zum einen gibt es “Liebhaber-Züchter”, die über Jahre ein bis drei Zuchttiere halten und mit diesen einen gelegentlichen Wurf machen, weil sie Freude an den Tieren und ihren Babys haben, zum anderen gibt es aber auch Züchter, die planmäßig züchten, indem sie versuchen, nicht nur Katzen zu vermehren sondern sie auch im Typ zu verbessern.

Um es gleich vorweg zu sagen, gegen keinen dieser Züchtertypen habe ich etwas einzuwenden. Der “Liebhaber-Züchter” kann natürlich auf Grund seiner Art des Züchtens in der Regel seine erwachsenen Tiere behalten, weil er sie nicht durch typmäßig besseren Nachwuchs austauscht. Eine Abgabe von Tieren wird in der Regel auch nicht dadurch notwendig, dass es durch Neuzugänge zu Unverträglichkeiten kommt.

Anders verhält es sich allerdings bei einem Züchter, der typvolle Katzen hinzukauft und Jungtiere aus seiner Zucht behält. Hier ist es meines Erachtens auf Dauer nicht zu vermeiden, dass die ein oder andere erwachsene Katze in ein neues Zuhause gegeben werden muss. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass nicht jede Katze zur Haltung in einer größeren Gruppe geeignet ist. Manche Katzen kümmern regelrecht, werden dauernd krank oder unsauber, weil sie dem Stress in einer größeren Gruppe nicht gewachsen sind, andere werden aggressiv gegen Artgenossen. Ich bin der Meinung, dass man diesen Tieren keinen Gefallen tut, wenn man sie behält, weil sie bei Liebhabern als Kastraten auf der Couch weitaus besser aufgehoben sind.

Es kann aber auch notwendig sein, Tiere abzugeben, weil der Bestand einfach zu groß wird. Ich glaube nicht, dass ein Züchter, der 30 und mehr Katzen hält, in der Lage ist, sich angemessen um die Tiere zu kümmern. In der Regel dürfte es hier an der notwendigen menschlichen Zuwendung, aber auch an der medizinischen Versorgung mangeln. Krankheiten können nicht mehr rechtzeitig erkannt werden, wodurch sie sich ungehindert im Bestand ausbreiten können und häufig dürfte die tierärztliche Versorgung auch zu einem finanziellen Problem werden. Wenn man alleine bedenkt, dass eine Zahnsanierung bei einer älteren Katze einige hundert Euro kosten kann, ist schnell klar, dass das x 10 oder 15 problematisch werden kann. Es erscheint mir persönlich daher im Interesse der Tiere richtig, von Zeit zu Zeit den Zuchttierbestand dadurch einzugrenzen, dass Tiere kastriert und an Liebhaber abgegeben werden. Dass ein verantwortungsvoller Züchter bei der Auswahl des neuen Zuhauses seiner erwachsenen Katzen besondere Sorgfalt an den Tag legen muss, um seinem Tier für die Zukunft weitere Umstellungen zu ersparen, dürfte dabei selbstverständlich sein.


Roswitha Engels, Im Haselwinkel 25, 12589 Berlin, Tel. 030/21221509